Rügen im Herbst
Auf der Rügener Halbinsel Mönchsgut zwischen Oktober und November 2024, das Basislager für den Hochuferweg befand sich im Ostseebad Baabe.












Alle Fotos Frank Spatzier
Frank Spatzier schreibt über Politik, Kultur und Ästhetik – freiheitlich-demokratisch, humanistisch und pazifistisch
Auf der Rügener Halbinsel Mönchsgut zwischen Oktober und November 2024, das Basislager für den Hochuferweg befand sich im Ostseebad Baabe.












Alle Fotos Frank Spatzier
Bei mir ist der ÖRR schon lange ausgeschaltet. Morgens dudelt noch etwas NDR-Info, was häufig genug zu Sprühstuhl führt. Trotzdem dringen mitunter seltsame Nachrichten zu mir durch: Nun sollen die Kaulitz-Brüder „Wetten Dass“ moderieren. Irgendwelche Witzfiguren aus der industriellen Massenkultur also, deren wesentliche Qualifikation sich darauf zu beschränken scheint, irgendwie schrägbunt auszusehen. Nicht im künstlerisch-kreativen Sinne, sondern treffsicher kompatibel mit den Verwertungsinteressen einer auf woken Idealen gegründeten Kulturindustrie. Plastikmenschen aus der Retorte des Kapitals ohne erkennbaren Werkscharakter. Würg.
Eine offensichtliche Negativauswahl, ganz ähnlich, wie der hagere Quetschkommodenhampelmann Silbereisen am Steuer des Traumschiffs. Der Anti-Kapitän in Reinform. Allesamt Leute, die sonstwohin gehören, jedoch nicht auf die Stellen, auf die man sie publikumswirksam gesetzt hat.
Womit wir es hier zu tun haben, sind verheerende strukturelle Defizite in den Selektionsmechnanismen von Eliten und Spitzenpositionen. Es scheint fast so, als setzte sich das jeweils Dümmste, Schlechtetste, Abartigste und Inkompetenteste durch. Hauptsache, irgendwas Faszinierendes oder auch Abstoßendes lässt sich verwertungslogisch in Szene setzen und verkaufen. Stichwort: Kakistokratie – die Herrschaft der Unfähigsten.
Was die Gebrüder Kaulitz für „Wetten Dass“ oder Silbereisen für das „Traumschiff“ ist, sind Leute wie Friedrich Merz, Annalena Baerbock, Johann Wadepfuhl, Karl Lauterbach, Frau Flak-Zimmerbrand, Kriegerich Kiesewetter und viele weitere abschreckende Gestalten für die Politik – teils himmelschreiend groteske Fehlbesetzungen, die sonstwo hingehören, häufig genug sogar in therapeutische Behandlung oder hinter Gitter, bloß jedoch nicht in verantwortungsvolle und mit Macht ausgestattete Positionen.
Aus den Fugen geratene Selektionsmechanismen, die einer plumpen Marktlogik, einem intellektuellen Race-to-the-Bottom oder einer Sensationslust am Abschreckenden folgen, sind eine offensichtliche Fehlleistung der populären und politischen Kultur. Das Quasimodo-Prinzip mag vielleicht im Horrorfilm verfangen, in der politischen Sphäre kann es schnell in die Katastrophe führen – wie man aktuell allerorten sehen kann.