Boxenbau-Projekt: Fostex Fe 103 in Gehäuse Bk 103
Fostex-Breitbänder genießen in audiophilen Kreisen ein hohes Ansehen, polarisieren aber auch gewaltig. Auf der Habenseite stehen Eigenschaften wie hervorragende Räumlichkeit durch Punktabstrahlung, perfektes Timing aufgrund fehlender Zerstückelung des akustischen Geschehens, unübertroffene Direktheit, tonale Geschlossenheit oder auch eine prägnante Stimmwiedergabe. Erkauft werden diese Bonbons häufig durch eine gewisse Neigung zu Verfärbungen oder Abstrichen an den Wiedergaberändern im Bass oder den Höhen.
Beides gilt in besonders ausgeprägter Weise für jene Fostexe, die ohne Korrekturnetzwerk betrieben werden können, die also direkt am Lautsprecherausgang des Verstärkers angeschlossen sind. Diese wohltuende Eigenschaft trifft beileibe nicht auf alle Fostexe und schon garnicht auf die meisten anderen Breitbandchassis zu. In aller Regel werden also mehr oder weniger aufwändige Schaltkreise benötigt, die Dellen oder Überhöhungen im Frequenzband ausgleichen, dann aber auch unweigerlich Hindernisse für das elektromagnetische Signal darstellen und das Höchstmaß an Unmittelbarkeit der Wiedergabe einschränken. Gegensteuern lässt sich dann oft mit hochwertigen Bauteilen, doch billig wird das nicht.
Der kleine Breitbänder Fe 103 NV zählt zu jenen Exemplaren seiner Gattung, die gerade noch so ohne Korrekturnetzwerk betrieben werden können. Deutlich erkennbar ist eine gewisse Betonung der oberen Mitten, was bei entsprechender Musik (Jazz, kleine Besetzungen) und entsprechend guten Aufnahmen ganz nett sein kann, die Auswahl des musikalischen Materials jedoch ein wenig einschränkt und beim Dauerhören auch mal irgendwann lästig wird. .
Abhilfe schaffen Korrekturschaltungen, von denen einige brauchbare Schaltpläne im Internet kursieren; gleichwohl würde ich die Variante des mittlerweile selbstberenteten Boxenbaupapstes Bernd Timmermans wählen, die geringfügig an den Fe 103 NV angepasst werden müsste. Letzterer ist seines Zeichens Nachfolgemodell des legendären Fe 103, der in Jean Hiragas Box Le Petit der französischen Hifi-Aktivistengruppe L’Audiophile Verwendung fand.
Kleine Andekdote am Rande: Auf der High-End 1985 (glaube ich) in Gravenbruch bei Frankfurt konnte ich als pubertärer Bursche ebenjener Le Petit lauschen. Diese war an gigantische, von Auto-Batterien gepufferte Mono-Endstufen angeschlossen, es lief irgendeine Saxofonmusik. Ich war davon damals ähnlich begeistert, wie von Infiitys raumhohen Reference Standard Dipol-System im Nebenzimmer und kann mich noch heute lebhaft an die klangliche Faszination erinnern. Die riesigen Verstärkerblöcke konnten eine Leistung im unteren zweistelligen Wattbereich liefern, dafür aber jede Menge Ampere.
Der Fe 103 NV ist ein moderner Nachfolger des Ur-103ers, ob er an dessen musikalische Qualitäten heranreicht, wird lebhaft diskutiert. Das zugehörige, eigens von Fostex entwickelte Backloaded-Horngehäuse BK 103, dient der Hörbarmachung der sehr mageren Bassausbeute des kleinen Lautsprecherchens. Es ist ein doch schon recht beachtlicher konstruktiver Aufwand nötig, um die zerbrechlichen Basswellchen gewissermaßen mit der Riesenlupe wahrnehmbar zu machen, wonach sie zwar nicht kellertief herunterreichen, jedoch ausreichend sind, um die Musik voll und rund tönen zu lassen.
Aufgebaut wurde das Gehäuse aus 13mm dickem MDF, das ich mir bei Bauhaus, Ratzeburger Allee, Lübeck, habe vorschneiden lassen. Was ein gewaltiger Fehler war, denn die Ungenauigkeiten waren teils so heftig, dass ich massig Zeit und Schweiß investieren musste, um die Schlamperei wieder auszugleichen. Für das nächste Projekt im Winter (größere 2-Wege Boxen mit Scan-Speak-Bestückung aus der Feder von Troels Gravesen für die Hauptanlage) beauftrage ich dann besser Profis mit dem Zuschnitt, nicht den läppischen Baumarkt.
Hat sich der Aufwand gelohnt? Wie ist der Klang?
Hervorstechend ist die fast brutale Direktheit der Wiedergabe sowie ihre Feindynamik. Von Grobdynamik lässt sich wegen des minimalen Membranhubs eher nicht sprechen. Faszinierend ist auch die Räumlichkeit: Im Nahfeld, also bei einem Hörabstand zwischen 1 und 1,5 Metern, wähnt man sich mittendrin im musikalischen Geschehen. Der Effekt gleicht fast dem eines Kopfhörers, auch erschallen Instrumente zuweilen in ganz wundersamer Weise aus völlig unerwarteten Richtungen. In der HiFi-Fachsprache würde man von einer sehr weiten Bühne fabulieren.
Allerdings schränkt die selbst bei größerem Wohlwollen recht deutliche Überhöhung oberer Mitten die Musikauswahl ein wenig ein, ähnliches bewirkt auch die frappierende Direktheit der Wiedergabe, die schlechte Aufnahmen gnadenlos als eben das entlarvt, was sind, nämlich akustische Zumutungen. Da wird nichts beschönigt oder zugekleistert, nichts verborgen oder übertüncht, das Signal des Verstärkers wird unmittelbar in die Schwingspulen gepumpt und unverschnörkelt in Schall umgewandelt. Das muss nicht jedem gefallen, auch braucht so manches Ohr ein wenig Zeit, sich daran zu gewöhnen. Der Klang der Boxen dürfte in ähnlicher Weise polarisieren, wie das Konzept breitbandgetriebener Hornlautsprecher als solches. Reichlich belohnt wird man jedoch, wenn das passende Material zur Geltung kommt. Große klassische Orchester, HeavyMetal oder die kratzigen Aufnahmen der 1990er Jahre sind nicht so ihr Ding, was jedoch keine Frage des Boxenkonzepts ist, sondern eher den handtellerkleinen Chassis geschuldet ist. Mit Jazz, kleinen Besetzungen oder auch der ein oder anderen Electronic-Preziose funktionieren die Hörner in der Regel ausgezeichnet.
Ich denke darüber nach, die Hörner durch ein empfohlenes Korrekturnetzwerk etwas alltagstauglicher zu machen. Dieses kann, um weiterhin flexibel in der Charakteristik zu bleiben, so verdrahtet werden, dass man wahlweise mit oder ohne Korrektur hören kann.
Der Bauprozess:













