Sommersonnenwende Special: Die kürzeste Nacht des Jahres

Am 21. Juni um 10:34 Uhr erreichte die Sonne über Lübeck ihren höchsten Stand und ihren nördlichsten Punkt in der Jahresbahn. Es ist der Tag, an dem die Sonne ihre stärkste Kraft entfaltet und das Leben auf dem Planeten mit einer besonders wirksamen Energie versorgt. Eine Energie, die man auf mehrere Arten spüren kann, physikalisch etwa durch die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen, aber auch spirituell durch das Spüren der Allgegenwärtigen Lebensenergie, die aus Flora und Fauna auch auf den Menschen strahlt.

Die Sommersonnenwende ist der Gegenpol zur Wintersonnenwende – und damit auch ein zwar hochenergetischer, gleichzeitig aber auch ein dem Zerfall zugewandter Wendepunkt im Jahreskreis, da es von nun an mit der stetigen Abnahme von Tageslänge und Sonnenlicht-Einstrahlungswinkel unaufhaltsam auf Herbst und Winter zugeht. Das Erlebnis von Kraft, Freude, Kreativität und Fruchtbarkeit am 21. Juni beinhaltet also bereits das Kommen von Abbau, Stillstand und Zerfall im Dezember.

In Lübeck fiel diesjährige Sonnenwende in eine Phase allerschönsten Sommerwetters, auch die Nacht vom 20. auf den 21. Juni war fast wolkenlos und lauwarm. Im folgenden Video ist eine Zeitrafferaufnahme dieser längsten Nacht des Jahres zu sehen, sie beginnt am 20.06. um etwa 20:00 Uhr und endet am 21.06. um etwa 11:00 Uhr, also kurz nach dem Höchststand der Sonne.

Beinahe zur Unterstreichung der mythologischen Bedeutung dieses Datums zeigte sich am späteren Abend eine gewaltige Gewitterwolke in Höhe Ostsee, in der beeindruckende Blitze zu bestaunen waren.

Zeigerpflanzen

Phänologisch wird die Zeit zwischen Sommersonnenwende und Johanni (24. Juni) von der Blüte des Johanniskrauts, Baldrians und Holunders begleitet. Insbesondere der Baldrian kündigt als Zeigerpflanze den beginnenden Zerfall der Pflanzenwelt an, da er nach seiner Blüte recht schnell zu verwelken beginnt.

Das Johanniskraut, eine Heilpflanze mit antidepressiver Wirkung (natürliche Serotinin-Wiederaufnahmehemmer), zeigt in dieser Zeit seine goldgelben Blüten; ihr roter Saft, der beim Zerreiben entsteht, weist einer germanische Sage auf das Blut des Sonnengottes Baldur hin.

Phonologischer Kalender
Johanniskraut in voller Blüte
Baldrianblüte
Die Spontangeburt des Sonnengottes Baldur

Fotos und Videos: © Frank Spatzier; das Titelfoto zeigt die Sonne während ihres Höchststandes (21.06., 10:34 Uhr)