Dauer-Lockdown: Die Regierung interessiert sich nicht für die Jugend

Der Dauer-Lockdown stürzt von einer Verlängerung in die nächste. Grundrechte, Freiheiten, Demokratie – das ist für viele nur noch vergessene Vergangenheit. Ähnlich verhält es sich mit der Befriedigung individueller und sozialer Bedürfnisse: Selbstbestimmung, Lebensfreude, Geselligkeit, Reisen, Kultur u.v.m. – alles nicht mehr möglich, vieles davon verboten. Diesem restriktiven Dschungel von Verordnungen und Verboten fallen natürlich auch die gesunden Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen zum Opfer.

Und es ist kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, denn obwohl weltmeisterlich geimpft wird und die „Zahlen“ sogar sinken, fabulieren Kanzlerin und ihre Entourage von weiteren Verlängerungen. Nein, Lockerungen (also die „Rückgabe“ von Grundrechten) dürfe es nicht geben. Schließlich drohe mit neuen Mutanten quasi eine „Pandemie in der Pandemie“, so Panikpapst Lauterbach.

Was ich vor etwas über einem Jahr geahnt habe, zeichnet sich immer mehr als bittere Realität ab: Die Exekutive scheint kein Interesse daran zu haben, zu Demokratie und Grundrechten zurückzukehren. Sie hat sich eingenistet in einem autoritären und repressiven Überwachungsstaat, der seinen Bürgern Freiheiten ganz nach Gusto und Tageserfordernissen zugesteht oder aberkennt.

Gewiss, darunter dürfte ein Großteil der Menschen im Lande erheblich leiden. Am schlimmsten betroffen sind jedoch Kinder und Jugendliche, die in sensiblen Entwicklungsphasen der Möglichkeit beraubt werden, adäquate Bewältigungsmechanismen und Kompetenzen zu entwickeln (z.B soziales Lernen), oder die ganz einfach Ängste und Traumata entwickeln. Die Folge: Psychisches Leid, psychische Störungen und unabsehbare Langzeitfolgen. 

Und die Bundesregierung leugnet: „Ich habe doch schon von Ergebnissen erzählt: Es gibt keine Hinweise auf Auswirkungen.“ Damit meinte BGM-Sprecher Hanno Kautz Hinweise auf psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und bezog sich damit auf ein nebulöses Monitoring. Auch habe kein Kinder- oder Jugendpsychologe an den Maßnahmen-Beratungen der Kanzlerin teilgenommen.

Mit anderen Worten, die Bundesregierung interessiert sich nicht für die Situation der Jugend. Klar, es sind ja auch keine Wähler – im Unterschied zu den älteren Semestern. Anstelle eines effektiven Schutzes von Risikogruppen (auf freiwilliger Basis) fährt die Bundesregierungen zahllose Lebensschicksale an die Wand, indem sie Kinder und Jugendliche isoliert und sie in einem hochsensiblen Alter umfangreichen Kontaktsperren und Verunsicherungen aussetzt. 

Dabei schlagen Kinder- und Jugendpsychologen sowie Therapeuten schon lange Alarm:

So registrieren immer mehr Psychotherapeuten Belastungsreaktionen und die Zunahme psychischer Auffälligkeiten, die mit den verordneten Einschränkungen in Verbindung stehen. In einem Offenen Brief berichten Experten von erheblichen Auswirkungen der Einschränkung auf die seelische Gesundheit, die über alle Altersgruppen hinweg zu beobachten seien. In einer Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie mussten die Ärzte Ende Januar die Triage anwenden, da der Andrang der jungen Patienten nicht mehr zu bewältigen war. 

Ist es Ignoranz, politisches Kalkül oder schlichtweg fehlende Empathie? Sicher von allem etwas. Auf jeden Fall ist es falsch und ethisch hochgradig verwerflich – jedenfalls aus der Perspektive einer aufgeklärten, menschenwürdigen Gesellschaft. Aber wie schon gesagt, die ist längst Vergangenheit…

https://www.deutschlandfunkkultur.de/jugend-in-der-pandemie-versinkt-eine-generation-in.1083.de.html?dram:article_id=492468

Veröffentlicht in Transformation.